Was ist Universal Design und wie wird es umgesetzt?

Einblicke in Universal Design aus Sicht eines Experten

Thomas Bade

Grundsätzlich bezieht sich Universal Design auf Umgebungen, Produkte und Gebäude, die für alle Menschen zugänglich sind, unabhängig von Alter und körperlichen Möglichkeiten.

In diesem Artikel geht es um gutes Universal Design mit Schwerpunkt auf Produkten. Wir haben Thomas Bade, CEO, Institut für Universal Design, nach seiner Expertenmeinung zu Universal Design gefragt.

Was ist gutes Universal Design?

Gutes Universal Design sollte nach Möglichkeit unsichtbar sein oder unsichtbar werden“, so Thomas Bade. Außerdem sei es wichtig, „heute schon an morgen zu denken“.

Auf die Frage, was für ihn Universal Design sei, antwortete der britische Industriedesigner James Irvine einmal: „Universal Design? Gutes Design ist Universal Design.“ Das ist Thomas Bades Lieblingszitat zu dem Thema.

Ist es möglich, alle Räume nach den Grundsätzen von Universal Design zu gestalten?

In bestehenden Wohnbereichen ist es in der Regel schwieriger und wirtschaftlich nicht ganz so einfach, den Designkriterien von Universal Design zu entsprechen. Hier ist eine genaue räumliche Analyse erforderlich, um das bestmögliche Ergebnis zu erreichen. Dennoch: Mit strukturellen Maßnahmen lässt sich die Universal Design-Struktur erheblich verbessern, damit der Bewohner sich sicherer und komfortabler in seinen Wohnbereichen bewegen kann.

Bei Neubauten, vor allem bei Wohngebäuden, muss einer der ersten Schritte bei der Planung darin bestehen, sich mit möglichen Nutzungsszenarien in der nahen und weiter entfernten Zukunft zu befassen. In der Regel haben Wohngebäude länger als 50 Jahre Bestand. Daher muss man möglichst viele Optionen berücksichtigen (Single, Paar, Familie, ältere Menschen, Menschen mit Behinderung), auch im Hinblick auf die Rentabilität des Investments.

Wenn wir über die demografische Anpassung von Lebensbereichen in Deutschland sprechen, dann reden wir von einem Bedarf von mindestens 2,5 Millionen Wohneinheiten. Diese Zahl macht eines klar: Universal Design bedeutet wirtschaftliches Wachstum!“

Wie kann ein Badezimmer mit den Regeln des Universal Design vereinbar sein? Und welche Produkte sind hier gefragt?

„Zunächst einmal braucht es eine entsprechende Raumarchitektur, wie zum Beispiel:

  • Zugänglichkeit (Breite der Tür mindestens 90 cm, Schiebetür, platzsparende Tür)

 Außerdem braucht es:

  • eine helle Raumatmosphäre (damit Details wie Accessoires, Bedienelemente wie Armaturen und die individuelle Gestaltung des Badezimmers usw. besser gesehen werden)
  • gute Beleuchtung an den Stellen, an denen eine Handlung stattfindet (Waschen, Duschen, Schminken usw.)
  • pflegeleichter, rutschfester Boden und/oder einfach zu reinigende Boden- und/oder Wandbeläge
  • zugängliche und einfache Montagegegebenheiten
  • flexible Optionen für variable Waschtische (höhenverstellbar, rollstuhlgerecht)
  • Waschbecken mit „unsichtbaren“ Griffmulden als mögliche Aufstehhilfen
  • WC mit variabler Höheneinstellung
  • wahlweise Dusche/Badewanne (Plug & Play), austauschbar
  • Einplanung möglicher Befestigungspunkte für Halte- und Stützgriffe, Sitzmöglichkeiten in der Dusche und im Toilettenbereich (unter Berücksichtigung eines etwaigen Platzbedarfs von Hilfspersonen)
  • -offene Schnittstellen für Smart Home-Anwendungen (z.  B. Legionellen-Prävention, Anruf- oder Notrufsysteme) oder Komfort-Optionen (z. B. Entertainment)“

Welche Qualitäten sind wichtig für Universal Design-Produkte?

„Neben ästhetischen Anforderungen muss Universal Design immer auch ökologische und wirtschaftliche Nachhaltigkeit mit sich bringen. Die Produkte sollten sich durch angemessene Materialität und Langlebigkeit auszeichnen. Das ist zunächst teuer, aber langfristig kosteneffizient.

In diesem Zusammenhang ist es sicherlich möglich, über eine Systemkonfiguration nachzudenken, die zuverlässig den gesamten Produktzyklus ergänzt, ihn am Ende aber auch verkürzt.“

Wie hat sich Universal Design in den letzten Jahren entwickelt?

„Langsam in Deutschland und Europa. Hier haben wir zu lange über Definitionen, Normen und Anforderungen spezifischer Nutzergruppen diskutiert.

Eine alternde Gesellschaft kommt jedoch nicht von heute auf morgen. Es überrascht daher, dass sich diese Entwicklung nicht schon viel früher in Universal Design-Produkten niedergeschlagen hat.

Was in den letzten Jahren zu einer wesentlich höheren Qualität von Universal Design beigetragen hat, ist unserer Ansicht nach ein besseres Management der Nutzerinteressen in ihren jeweiligen Lebensumfeldern. Methoden wie Universal Design Thinking, partizipatorisches Design oder die Methodik der „Personas“ haben den Fortschritt stark beschleunigt. Universal Design ist auf dem besten Weg von einer exklusiven Produktbetrachtung zu einem universellen Design-Prozess.“